Die alljährige, von Martin Sprissler und seiner Co-Moderatorin Sarathustra von Lichtenstein gehostete Modenschau findet 2026 zum 17. mal statt. Es ist denke ich überflüssig zu erwähnen, dass der Besuch einer der beiden Vorstellungen samstags um 16:05 oder 18:00 zum Pflichtprogramm für das ZW-Team gehört. Jedes Jahr aufs Neue sind wir fasziniert von den präsentierten Outfits, der theatralischen Inszenierung und der modischen Vielfalt des Events.
Auch dieses Jahr findet der Walk wieder im Hangar zwischen den beiden Bühnen statt. Wie bereits im Vorjahr werden wieder sechs Designer ihre Kreationen präsentieren. Die Bandbreite umfasst dabei düster glamouröse Mode, mystische Kleider, gelebte Vielfalt und natürlich viel verarbeitetes Leder. Spoiler: Die Inszenierungen sind 2026 deutlich weniger theatralisch als in den vergangenen zwei Gothic Fashion Shows 2024 und 2025. Das betrachten wir zwar mit einem kleinen weinenden Auge, aber auch mit einem positiven Gefühl. Schließlich bleibt so der Fokus direkt auf den präsentieren Kleidungsstücken und Accessoires. Habt ihr schon Lust, die diesjährigen Meisterwerke zu bestaunen? Ja? Dann sagen wir: Let’s dive into this!

Queen of Darkness – Alltagsmode, Club-Outfits & festliches
Das erste Label des Abends ist Queen of Darkness aus Leipzig. Präsentiert wird Mode, welche von schlicht bis extravagant reicht und somit vom T-Shirt bis zum Abendkleid alles bereithält. Auch wenn der Fokus natürlich auf unser aller Lieblingsfarbe Schwarz liegt, zeigt sich das Repertoire erstaunlich vielfältig und bietet neben Club-Outfits, Abendkleidung durchaus auch alltagstaugliche Mode für Büro- oder Freizeittage.
Die Inszenierung des Walks ist schlicht. Es gibt keine „Storyline“ wie sie einige Label der vergangenen Jahre für ihre Stagetime einstudiert haben. In diesem Sinne wird man nicht abgelenkt und kann sich vollkommen auf die Mode konzentrieren. Okay, ein wenig erotisch wirkt die Performance zu den schwarz, mit einigem an Netzanteil ausgestatteten Models zum flackernden Hintergrundlicht dann doch.
Das Highlight ist unserer Meinung nach zweifelsohne der Mantel, bei dem einem direkt folgende Songtextzeile in den Kopf kommt: „We’ll carry oooon… We’ll carry ooooooooooon – And though you’re dead and gone, believe me”. Ob es gewollt ist, wissen wir natürlich nicht, aber er erinnert schon etwas an das ikonische „Welcome To The Black Parade“ von My Chemical Romance.
Übrigens: Wirft man einen Blick in den Online-Shop von Queen of Darkness erschreckt man erst einmal. Aber nicht im negativen Sinne! Die Kleidung der Leipziger ist tatsächlich zu erstaunlich erschwinglichen Preisen erhältlich. Also ideal, wenn man düsterschön aussehen möchte, aber nicht das Portemonnaie eines Millionärs hat.





































Tribal & rituell futuristische Mode von Cyberesque
Noraly van Deursen aka Noraly Cyberesque war bereits bei der ersten Gothic Fashion Show auf dem M’era Luna mit dabei. Das Berliner Label bietet Edgy Dark Fashion / Clubware an, welche von der Wildnis des Nachtlebens inspiriert und in futuristische, mit ethnischen Elementen ausgestattete Mode umgesetzt ist. Designerin Noraly ist Weiterentwicklung dabei sehr wichtig. Sich stets neu zu erfinden ist ihr Steckenpferd.
Entsprechend gespannt warten wir nach der Ankündigung auf die Inszenierung. Zu folkiger, mit Trommeln vorangetriebener Musik werden Outfits präsentiert, welche zunächst altertümlich asiatisch und/oder südamerikanisch inspiriert wirken. Zwar gibt es auch beim Walk von Cyberesque kein groß aufgelegtes theatralisches Konzept, doch die Outfits, besonders aber der opulente Kopfschmuck zur Trommelmusik geben der Performance einen sehr rituellen Charakter. Nicht nur der Kopfschmuck ist bei diesem Eindruck entscheidend. Die Männeroutfits beispielsweise fallen durch die Verwendung von Lendenschurzen sehr tribal aus.
Recherchiert man nach den Preisen der dargebotenen Outfits, findet man die Pieces im Online-Shop von Cyberesque zu gehobenen – aber durchaus sehr gerechtfertigten Preisen. Auf der Website schreibt das Label „Wir verbinden mutige Innovation mit Tribal-Allüren für den modernen Trendsetter und schaffen so ein einzigartiges Statement, das alle anspricht, die es wagen, sich abzuheben und ihre Individualität zu leben.“ – und wir finden, genau das hat Cyberesque auch einem der Highlights der letzten Fashion Shows gemacht. Bravo!































Mond Mädchen Couture präsentiert mystische Mode
Ein relativ junges Modelabel, welches auf der M’era Luna Gothic Fashion Show 2026 einen der ersten Walks überhaupt darbietet – erstmals vorgestellt auf dem Plague Noir Festival. Die Kleidung ist inspiriert vom Mittelalter, Fantasy und natürlich, wie der Name es schon beschreibt, von der Nacht. Entsprechend sind die präsentierten Kleider sehr mythisch und schön dem Motto getreu mit vielen dunklen Blautönen gehalten – eben passend zur Nacht. Aber auch dunkelrote und sogar weiße Elemente mischen sich dazu.
Das Repertoire auf dem M’era Luna besteht großteils aus langen Kleidern mit viel Stoff, die elegant aussehen und durchaus für einen Gothic Ball geeignet. Nicht nur die Kleidung ist mythisch, auch die Musik, eher ruhig mit dunkler Atmosphäre, orchestralem Charakter und Chor passt sehr gut. Ein klein wenig Theatralik gibt es dann doch: Am Ende des Walks schreiten aus einem von den Models gespannten Schleier zwei Damen in weiß und schwarz kombinierten Kleidern hervor.
Mond Mädchen Couture ist noch relativ jung und bietet nahezu ausschließlich Unikate an. Fans von mystischer Mode sollten unbedingt auf den Social Media Kanälen oder der Website vorbeischauen.


























Traumoutfits für die Gothic-Hochzeit: DarkDreamCollection
Es wird Zeit für den Gegenlauf. Von der anderen Seite des Hangars stolzieren die Models nun in illustrer Mode, angekündigt explizit als Hochzeitsmode und Balloutfits im gehobenen Stil. Der musikalische Hintergrund ist mit einer italienisch gesungenen Powerballade sehr passend für dieses Motto gewählt. „DarkDreamCollection steht für viktorianisch inspirierte Designs, starke Silhouetten und kompromisslose Details“ erzählt das Label aus Gründau-Lieblos auf seiner Website.
Was unsere Augen auf dem Laufsteg sehen, spiegelt diese Aussage absolut wider. Wir sehen feinste, glamourös gestaltete Kleider und Anzüge, welche auf jeder Hochzeit – auch wenn Gothic nicht das Hauptmotto ist – die Blicke auf sich ziehen. Dabei stehen auch nicht szenetypisch die Schwarztöne im Vordergrund. Auch Farben wie lila, rot und sogar weiß kommen gut zur Geltung.
Die illustren Kleidungsstücke von DarkDreamCollection sind maßangefertigt und damit alles andere als gewöhnliche Alltagsmode – sie sind es, die große Momente sinnbildlich auskleiden und den Glamour lebendig werden lassen. Schaut einfach einmal auf der Website vorbei und lasst euch überzeugen, wenn ihr einen entsprechenden Anlass für elegante Kleidung vor euch habt.



























Manufaktur Herzblut setzt auf dunkle Vielfalt & Intersexualität
Das Wiener Label Manufaktur Herzblut wird, ähnlich wie DarkDreamCollection, bereits als illuster, opulent und kreativ angekündigt. Was wir sehen, ist allerdings eher in die Richtung „extravagant“ und „vielfältlig“ tendierend. Unübersehbar ist auch die Inspiration aus der Queeren-Szene, was einige der Outfits ziemlich intersexuell wirken lässt – eine coole Sache!
Ein einheitliches Konzept ist auf den ersten Blick dabei nicht zu erkennen – im Verlauf des Walks vernimmt man aber schnell: Der rote Faden ist die Vielfältigkeit an sich. Von opulenten Kleidern über Lolita Outfits bis hin zu sehr auffallenden Accessoires wie z. B. schick integrierte Piratenhüte oder ein roter Schleier mit farblich dazu passendem Paradestab – by the way ein Outfit, dass auch gut zu Lady Gaga passen würde.
Ein Blick in die Online Boutique von Manufaktur Herzblut zeigt uns, dass die Preise moderat und daher auch für kleinere Geldbeutel nicht zu teuer sind. Wobei das stark vom Kleidungsstück selbst abhängt. Durchaus gibt es hochpreisige Designpieces zu erwerben.
Nicht zu vergessen: Die Stärke von Designer Markus Spatzier liegt in individuellen Outfits – also Unikaten. Sein Talent wurde (zurecht) bisher mit vielen Auszeichnungen (zum Beispiel dem Out Of The Box Award) und renommierten Kooperationen (zum Beispiel als Ausstatter von Pia Maria beim Eurovision Song Contest in Italien 2022) gekürt.


















































Viel Haut, ein wenig Leder & große Metalspikes bei Night Edge
Das letzte Label, welches auf dem Laufsteg des Hangars läuft, ist Night Edge. Die Stilrichtung des Labels ist eine interessante Mischung aus Gothic, Punk, Fetisch, Wastelander- und Fantasy-Ästhetik, die in der Regel stets etwas gemeinsam hat: Viel Haut. Angefangen hat das Label mit der Produktion von Accessoires, welche nach und nach zu ganzen Outfits wurden.
Die Show ist dabei – natürlich entsprechend der Mode – etwas aufreizend aufgestellt. Wir sehen viele Metallelemente, riesige Spikes als Kopfschmuck und ein bewusst auf Sexiness und Zurschaustellung des Körpers ausgelegtes Walk-Konzept. Zu den Outfits gibt es passend harte Industrial Beats, welche den Hangar regelrecht zum Erbeben bringen.
Highlights der Performance sind zum einen der innige Kuss zwischen Männern – hier wird Vielfalt gelebt und nicht nur erwähnt – sowie das wohl erotischste Einhorn des M’era Luna 2026, natürlich bezogen auf ein präsentiertes Outfit.














































Fazit zur Gothic Fashion Show 2026
Deutlich weniger Theatralik, dafür mehr gelebte Vielfalt und fokussiert auf die Mode an sich. Wir finden, dass die 2026er Ausgabe einen guten „back to the roots“-Charakter hat und sich wirklich auf die Darstellung der Mode konzentriert, weniger um das dramaturgische Konzept drum herum. Ein wenig mehr Theatralik hätte zwar sicherlich nicht geschadet, wir sind aber natürlich auch dieses Jahr von der Show fasziniert gewesen. Ein kleines Highlight haben wir allerdings noch nicht erwähnt: Ganz zum Ende der Show präsentierten zwei Personen vom Body Painting Workshop ihre Kreationen zum Song „Rain“ von Project Pitchfork. Ein lieblicher Ausklang der M’era Luna Modenschau. Wir freuen uns schon auf die 2027er Ausgabe!














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Text Autor: Dennis Huber (Raaki)